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Nachhaltige Ökonomie

Corona und die Folgen

Für die 99. Ausgabe (Juni 2020) des Düsseldorfer Umweltmagazins grünstift habe ich einen Artikel geschrieben, der zu der Diskussion passt, die wir auch in der Initiative GERRESHEIM NACHHALTIG führen:

In der Krise an die Zukunft denken

Kein Thema beschäftigt die Menschen auf der ganzen Welt zur Zeit stärker als die durch das „SARS-CoV-2“ genannte Virus ausgelöste Krankheit „Covid-19“, die sich zu einer Pandemie entwickelt hat. Für die nähere Zukunft hängt vieles von medizinischen Aspekten ab: Wie kann es gelingen, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, welche Medikamente können bei der Behandlung erfolgreich eingesetzt werden, und wann wird ein Impfstoff verfügbar sein? Darüber wurde und wird viel berichtet, auch wenn die verfügbaren Antworten leider mit größeren Unsicherheiten verbunden sind.

Relativ klar ist aber: Die Pandemie wird die Menschheit nicht ausrotten, und diese wird weiterhin versuchen müssen, nachfolgenden Generationen lebenswerte Zukunftsperspektiven auf diesem Planeten nicht zu verbauen. Grundsätzlich sind zwei gegensätzliche Tendenzen in der Stimmungslage bereits zu erkennen.

Die Stimmungslage

Gemeinsames, koordiniertes Handeln vieler Menschen über Staatsgrenzen hinweg ist möglich – auch wenn es mit erheblichen persönlichen Einschränkungen verbunden ist – wenn es um die Abwehr klar erkannter, konkreter Gefahren geht. Diese Erfahrung könnte bei den Bemühungen um eine Begrenzung des Klimawandels und eine insgesamt nachhaltige Lebensweise genutzt werden. Dabei sollte betont werden, dass dies keineswegs eine geringere Lebensqualität bedeutet – jedenfalls dann, wenn diese nicht über regelmäßige Kurzurlaube in der Karibik definiert wird oder dergleichen.

Auf der anderen Seite ist bei vielen Menschen das Bedürfnis vorhanden, nach der Überwindung einer Krise zunächst einmal das eigene Leben wieder in gesicherte Bahnen zu lenken und sich nicht gleich mit der nächsten, weniger akut erscheinenden Krise zu befassen.

Strategie erforderlich

Die Lebensumstände von Menschen sind sehr verschieden. Als Milliardär in den USA lebt es sich anders als im gesicherten Mittelstand in Deutschland, als jemand, dessen selbständige, wirtschaftliche Existenz gerade infolge der Epidemie auf dem Spiel steht oder als hungerndes Kind in Afrika. Dazu kommt noch, dass die gleichen, ökonomischen Umstände unterschiedlich erlebt werden und bei manchen Angstzustände auslösen, während andere ihnen relativ gelassen begegnen können.

In dieser Situation ist es nicht leicht, eine gemeinsame Gesprächsbasis zu finden. Bei der Entwicklung und Umsetzung einer Strategie, die es Menschen ermöglichen würde, auch in fernerer Zukunft und nachhaltig auf der Erde leben zu können, ist dies aber eine wichtige Voraussetzung. Unser Wirtschaftssystem spielt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle. Ich habe zu dieser Thematik bereits einige Artikel für vorangehende Ausgaben des grünstift geschrieben und vor kurzem auch auf der Internetseite www.unser-wirtschaftssystem.eu meine Überlegungen ausführlicher dargelegt. In diesem Zusammenhang will ich dabei hervorheben, dass die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen größer sind, als sie durch das ökonomische System suggeriert werden. Jedenfalls sehe ich durchaus Anlass für Optimismus.

Gestaltung der Zukunft

Positiv ist schon einmal zu vermerken, dass der Ausstoß von Treibhausgasen in diesem Jahr überall auf der Welt zurückgehen und die Luftqualität in vielen Innenstädten sich verbessern wird. Generell ist nach den meisten Prognosen damit zu rechnen, dass der Flugverkehr jedenfalls kurz- und mittelfristig nicht wieder das Niveau vom Jahresanfang erreichen wird. Geschäftliche Besprechungen werden häufiger wie zur Zeit über Videokonferenzen abgehalten und Urlaubsreisen in ferne Länder aus Sicherheitsgründen zurückgestellt.

Der Ausbau regenerativer Energieversorgung gerät aber möglicherweise ins Stocken, weil die ökonomischen Grundlagen ins Wanken geraten und die Ölpreise in den Keller gerauscht sind. Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel wird zur Zeit als Gesundheitsrisiko betrachtet, obwohl diese in allen realistischen Szenarien das Rückgrat eines nachhaltigen Verkehrssystems bilden. Wie und wann dieser Widerspruch aufgelöst werden kann, ist keineswegs klar. Auch in diesem Punkt müssen wir wohl noch auf Ergebnisse aus der Erforschung von SARS-CoV-2 warten. Wie groß ist das Infektionsrisiko in Bussen und Bahnen tatsächlich, und wie kann es minimiert werden?

Gerade in einer Krise, wie wir sie gerade erleben, ist es wichtig, die Gestaltung der Zukunft im Auge zu behalten. Dabei sind insbesondere diejenigen gefordert, die nicht um das blanke Überleben kämpfen müssen. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, dass sie zu dieser Gruppe gehören.

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